Lebenskunde wird an der Lenau-Schule
als mögliche Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht angeboten.
Hier ein Beitrag vom zuständigen Lebenskundelehrer Frank Rieleit
Lebenskunde
- lernt man da, wie das Leben ist? An Berliner Schulen und so auch an der Lenau-Schule
steht dieses Fach, für das sich Kinder freiwillig anmelden können, meist dann
auf dem Stundenplan, wenn andere zum Religionsunterricht gehen.
Ob einer
etwas besonderes erlebt hat, ob er glücklich, traurig oder ärgerlich ist oder
sich Gedanken gemacht hat und etwas dazu fragen möchte - in der Lebenskundestunde
kann
alles gesagt werden!

Gemeinsam wird dann besprochen, ob andere einmal
ähnliches erlebt oder gedacht haben. Oft kommen unterschiedliche Meinungen zusammen,
wie man zum Beispiel mit Angst, Wut oder Traurigkeit umgehen sollte, was zu
einer echten Freundschaft gehört oder warum es ein unangenehmes Gefühl ist,
wenn man nicht die Wahrheit sagt.
Meistens
geht es darum, wie man sich im Leben richtig verhalten sollte. Nur wer sagt
einem schon, was richtig und falsch ist? Erstmal tun das Eltern und Lehrer,
aber je älter wir werden, desto mehr müssen wir selbst die Verantwortung übernehmen
und uns dabei nach Gesetzen, Regeln oder den Vorschriften einer Religion richten.
Und wenn man anderer Meinung als Eltern und Lehrer ist? Auch Gesetze und Vorschriften
sind manchmal schwer einzuhalten. Wer hat schon noch
nie gelogen, war
nie gemein und hat
nie daran gedacht, jemandem weh zu tun oder
etwas wegzunehmen?
In Lebenskunde
lernen wir, uns nicht darauf zu verlassen, was uns vorgeschrieben wird, sondern
uns Gedanken zu machen, was wir in unserem Leben für richtig halten, wie wir
selbst glücklich sein und gleichzeitig alle Menschen gut miteinander auskommen
könnten. Dazu gehört zunächst kennenzulernen, wie verschieden Menschen überhaupt
sind: Es gibt lange und kurze Nasen, große und kleine Ohren, braune und weiße
Haut. Manche sprechen deutsch, andere vielleicht türkisch oder arabisch. Manche
tragen Schleier und Kopftücher, andere Miniröcke und Bikinis. Manche freuen
sich auf`s Zuckerfest, andere auf Weihnachten oder das Neujahrsfest. Aber jeder
Mensch hat schließlich das gleiche Recht, im Leben sein Glück zu suchen. Und
jeder ist traurig, wenn andere um ihn herum ihn nicht mögen, nur weil er vielleicht
ein bisschen anders aussieht oder redet.
In Lebenskunde
vergleichen wir, was es bei uns und in anderen
Ländern für unterschiedliche Möglichkeiten gibt, die Welt zu sehen. Macht ein
Kind in Indien dasselbe glücklich wie eines bei uns? Was braucht ein Mensch,
um glücklich zu sein, und was ist überhaupt Glück"? Welche Regeln
sollen für alle gelten, damit es auf der Welt gerecht zugeht, und was können
wir dafür tun?
Lebenskunde
ist aber nicht nur Laberstunde"! Wir hören
Geschichten und Lieder, malen und basteln, um unsere Gedanken darzustellen.
Oft spielen wir, zum Beispiel

um gegenseitiges Helfen und Zusammenhalten zu
üben, wie bei der Stuhlschlange": Alle müssen auf Stühlen stehend
gemeinsam ein Ziel erreichen, ohne den Fußboden zu berühren. Das geht nur, wenn
mehrere sich Stühle teilen, damit freie nach vorne gereicht werden können. Wenn
einer doch den Boden berührt, wird ein Stuhl weggenommen! Oder wir machen Übungen,
wie Wigwam" oder den Vertrauenskreis". Hier kann man sich
mal richtig schön fallen lassen und wird von den anderen gehalten und behutsam
aufgefangen.
Wir üben
auch, unsere fünf Sinne zu schärfen, um die Welt in ihrer ganzen Vielfalt wahrzunehmen,
wie im Spiel Gefühlsburg": Einer versucht, eine geheim verabredete
Berührung herauszufinden,

um sich den Kreis der Gruppe aufzuschließen".
Oft machen wir auch Rollenspiele, das heißt wir spielen wie im Theater Situationen
aus unserem Leben nach, in denen es schwer ist, sich für das richtige Handeln
zu entscheiden.
So ist es
immer wieder spannend, sich mit dem Schönen und auch den Problemen in unserem
Leben zu beschäftigen. Jeder bekommt Hilfen bei der Entwicklung einer eigenen
Weltanschauung und lernt, sich selbständig und verantwortlich anderen Menschen
und seiner Umwelt gegenüber zu verhalten. Auch mir als Lehrer macht der Unterricht
meist viel Spaß, denn ich als vermeintlich vernünftiger Erwachsener kann von
der unverkrampften Herangehensweise von Kindern an Sinnfragen Entscheidungen
in meinem eigenen Leben oft noch einmal ganz neu zu betrachten lernen. Man lernt
schließlich nie aus!
Frank Rieleit
(Lebenskundelehrer an der Lenau-Schule)