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Ob einer
etwas besonderes erlebt hat, ob er glücklich, traurig oder ärgerlich ist oder
sich Gedanken gemacht hat und etwas dazu fragen möchte - in der Lebenskundestunde
kann alles gesagt werden!
Gemeinsam wird dann besprochen, ob andere einmal
ähnliches erlebt oder gedacht haben. Oft kommen unterschiedliche Meinungen zusammen,
wie man zum Beispiel mit Angst, Wut oder Traurigkeit umgehen sollte, was zu
einer echten Freundschaft gehört oder warum es ein unangenehmes Gefühl ist,
wenn man nicht die Wahrheit sagt.
Meistens geht es darum, wie man sich im Leben richtig verhalten sollte. Nur wer sagt einem schon, was richtig und falsch ist? Erstmal tun das Eltern und Lehrer, aber je älter wir werden, desto mehr müssen wir selbst die Verantwortung übernehmen und uns dabei nach Gesetzen, Regeln oder den Vorschriften einer Religion richten. Und wenn man anderer Meinung als Eltern und Lehrer ist? Auch Gesetze und Vorschriften sind manchmal schwer einzuhalten. Wer hat schon noch nie gelogen, war nie gemein und hat nie daran gedacht, jemandem weh zu tun oder etwas wegzunehmen?
In Lebenskunde lernen wir, uns nicht darauf zu verlassen, was uns vorgeschrieben wird, sondern uns Gedanken zu machen, was wir in unserem Leben für richtig halten, wie wir selbst glücklich sein und gleichzeitig alle Menschen gut miteinander auskommen könnten. Dazu gehört zunächst kennenzulernen, wie verschieden Menschen überhaupt sind: Es gibt lange und kurze Nasen, große und kleine Ohren, braune und weiße Haut. Manche sprechen deutsch, andere vielleicht türkisch oder arabisch. Manche tragen Schleier und Kopftücher, andere Miniröcke und Bikinis. Manche freuen sich auf`s Zuckerfest, andere auf Weihnachten oder das Neujahrsfest. Aber jeder Mensch hat schließlich das gleiche Recht, im Leben sein Glück zu suchen. Und jeder ist traurig, wenn andere um ihn herum ihn nicht mögen, nur weil er vielleicht ein bisschen anders aussieht oder redet.
In Lebenskunde vergleichen wir, was es bei uns und in anderen Ländern für unterschiedliche Möglichkeiten gibt, die Welt zu sehen. Macht ein Kind in Indien dasselbe glücklich wie eines bei uns? Was braucht ein Mensch, um glücklich zu sein, und was ist überhaupt Glück"? Welche Regeln sollen für alle gelten, damit es auf der Welt gerecht zugeht, und was können wir dafür tun?
Lebenskunde
ist aber nicht nur Laberstunde"! Wir hören
Geschichten und Lieder, malen und basteln, um unsere Gedanken darzustellen.
Oft spielen wir, zum Beispiel
um gegenseitiges Helfen und Zusammenhalten zu
üben, wie bei der Stuhlschlange": Alle müssen auf Stühlen stehend
gemeinsam ein Ziel erreichen, ohne den Fußboden zu berühren. Das geht nur, wenn
mehrere sich Stühle teilen, damit freie nach vorne gereicht werden können. Wenn
einer doch den Boden berührt, wird ein Stuhl weggenommen! Oder wir machen Übungen,
wie Wigwam" oder den Vertrauenskreis". Hier kann man sich
mal richtig schön fallen lassen und wird von den anderen gehalten und behutsam
aufgefangen.
Wir üben
auch, unsere fünf Sinne zu schärfen, um die Welt in ihrer ganzen Vielfalt wahrzunehmen,
wie im Spiel Gefühlsburg": Einer versucht, eine geheim verabredete
Berührung herauszufinden,
um sich den Kreis der Gruppe aufzuschließen".
Oft machen wir auch Rollenspiele, das heißt wir spielen wie im Theater Situationen
aus unserem Leben nach, in denen es schwer ist, sich für das richtige Handeln
zu entscheiden.
So ist es immer wieder spannend, sich mit dem Schönen und auch den Problemen in unserem Leben zu beschäftigen. Jeder bekommt Hilfen bei der Entwicklung einer eigenen Weltanschauung und lernt, sich selbständig und verantwortlich anderen Menschen und seiner Umwelt gegenüber zu verhalten. Auch mir als Lehrer macht der Unterricht meist viel Spaß, denn ich als vermeintlich vernünftiger Erwachsener kann von der unverkrampften Herangehensweise von Kindern an Sinnfragen Entscheidungen in meinem eigenen Leben oft noch einmal ganz neu zu betrachten lernen. Man lernt schließlich nie aus!