Lesekultur - Was ist das?
Es gibt verschiedene Arten, wie Menschen ihre
Geschichten und ihr Wissen aufbewahren: Im Film, im Computer, in Bildern, im Buch,
usw. Das Buch ist eines dieser Medien. Durch die Präsenz anderer Medien wird es
zunehmend verdrängt. Dabei wird unterschätzt, dass bei vielen dieser Medien für
den Wissenserwerb nach wie vor eine gut ausgebildete Lesekompetenz notwendig ist.
Der versierte Umgang mit Texten ist eine wichtige Grundlage für Medienkompetenz.
Leseinteresse und Leserfolg hängen eng mit einer Lese
kultur zusammen, die das Lesen zum
Bestandteil eines Alltagsvergnügens macht. Es gilt die banale Weisheit: Lesen erlernt
man durch Lesen und das fängt schon mit den Bildern in Bilderbüchern an. Kinder werden
in den Familien erfolgreiche Leser, in denen Bücher und Lesen zu ihrem Leben gehören.
Auf die Schule übertragen bedeutet dies, die Lesetätigkeit der Kinder auch außerhalb der
unterrichtlichen Zeit anzuregen. Die Schulbibliothek, die Familienkoffer, die Ferienlektüren (s. u.)
sind alles Versuche, den Kindern positive kulturelle Erfahrungen zu ermöglichen. Beim Aufbau von
Leseinteresse ist es wichtig allen Kindern Angebote passend zu ihrem Leistungsniveau und
Interessensgebieten zu machen. Dies funktioniert nicht über Zwang, sondern nur über Verlockung.
Dazu gehört auch, sie bei der Auswahl von Lesestoffen mitbestimmen zu lassen. Diese differenzierte
Herangehensweise wirkt sich sehr gut auf Kinder aus allen sozialen Schichten aus. Bei lesekulturellen
Aktionen sollen Kinder sich auch ohne schulische Bewertung ausprobieren und erfahren können und
dadurch lernen.
Der Leselernprozess ist kein technisches Verfahren. Bei diesem Ansatz ist auch das Bilderbetrachten
sehr wichtig. Ein versierter Leser braucht das Denken und die Vorstellungskraft. Er muss das
eigene Kino im Kopf mit Bildern bespielen, er braucht quasi Denkbilder. Sprache kann nicht ohne
innere Sprach und Denkprozesse gelernt werden. In diesem Kontext des Spracherwerbs steht mittendrin
auch der Leselernprozess
Lesekultur ist eine Praxis, die nicht speziell für Kinder mit Problemen zu verstehen ist. Dies
schließt aber nicht aus, dass durch Lesekultur auch Sprachförderung und eine (inter) kulturelle
literarische Bildung stattfinden. Denken anregen, Vorstellungsbilder erzeugen, wie z. B. vermuten
und argumentieren, sind die hierfür notwendigen Anregungsformen. Das Lesenlernen ist also auch
Sprach und Denkförderung. So verstanden ist Lesekultur auch nicht nur Aufgabe des Faches Deutsch,
wenngleich es keinen Gegensatz zum Rahmenplan Deutsch darstellt:
"Lesen bedeutet, Vorstellungen und Wissen zu erweitern. Es bereitet Vergnügen, regt die Fantasie
an und fordert zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit heraus. Es ermöglicht den
Zugang zu den Erfahrungen und Gefühlswelten anderer. Damit trägt Lesen zur Identitätsentwicklung
der Schülerinnen und Schüler bei." (Rahmenlehrplan Deutsch Grundschule, S.28).
Die Grundschule hat eine besondere Verantwortung, den Kindern Lesekultur nahe zu bringen, denn
Erfolg in der Schule hängt sehr von der Lesefähigkeit des einzelnen Kindes ab. Ca. 80% des schulischen
Wissens wird ab Klasse 5 durch Texte vermittelt. Wer schlecht liest, hat jetzt und in der Zukunft
schlechtere Chancen. Auch unabhängig von Berufen braucht Demokratie Menschen, die gut lesen und
schreiben können. Bildungsforscher sind der Meinung, dass nur die Ganztagsschule für mehr ausgleichende
Gerechtigkeit im deutschen Bildungssystem sorgen kann. Die gebundene Ganztagsschule bietet besonders gute
Voraussetzungen dafür, Lesen in Freizeit und Unterricht mit einander zu verknüpfen.
Um die Lesetätigkeit der Kinder anzuregen hat die Lenauschule 2004 ihre Schulbibliothek weiter ausgebaut.
Sie ist die Schnittstelle zur Verzahnung von Unterricht und Freizeit. Familienmedienkoffer, Ferienlektüren,
Leseprojekte und ein vielfältiges Angebot an Büchern in 2 Räumen mit schöner Leseatmosphäre und liebevoller
Betreuung sollen die Kinder zum Lesen verführen.
Um Lesekultur dauerhaft im Schulleben zu verankern, braucht es immer wieder Rituale, Aktionen und Projekte,
die die verschiedenen Klassen verbinden und die Schule nach außen öffnen.
Für den unterrichtlichen Bereich wird das Thema Lesekultur in einem schulinternen Curriculum Platz finden
Das Netzwerk der Lesekultur an der Lenauschule
Hier handelt es sich um einen Prozess, der in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut wurde. Seit 2007
gibt es hier z. B. auch Bezüge zum
biografischen Erzählen mit einigen Klassen. Dabei werden nun auch Brücken
zum mündlichen Erzählen von Geschichten hergestellt.
Durch die schulische Inszenierung von Lesevergnügen wird die für eine umfassende Lesekompetenz notwendige Lesezeit erhöht. Verschiedene
Professionen Lehrer/innen, Erzieher/innen, die Honorarkräfte der Schulbibliothek und ehrenamtliche Lesepaten und außerschulische Träger
(siehe unten) – arbeiten integrativ und aufeinander bezogen. Dabei werden die Arbeit der Lehrerinnen und Lesepaten und die Unterrichtskonzepte
mit der Freizeit der Kinder verknüpft. Dies braucht Kooperationszeit und –strukturen. Die Lesetätigkeit geht dabei über die unterrichtliche
Zeit hinaus. Andere Zeitformen, mehr Mitbestimmung bei der Leselektüre, Differenzierung beim Leseniveau und bei Leseinteressen, Lesen
als soziale Praxis mit kulturellen Darbietungen, all dies sind leitende Motive für diese Aktionen.
Strukturelemente der Lesekultur
- Lesepaten: Seit 2002 sind an der Lenauschule kontinuierlich ungefähr 30 Lesepaten in allen Klassenstufen tätig.
Mehr lesen: Lesepaten
- Bibliothek: Durch Spenden der Bürgerstiftung Berlin für die Sprach- und Leseförderung an unserer Schule in den letzten 4 Jahren
haben wir den Buchbestand aktualisieren, ein Konzept entwickeln und die stetige Betreuung der Bibliothek gewährleisten können.
Damit – auch nach dieser Unterstützung - die Bibliothek ein lebendiger und attraktiver Ort bleibt, wurde 2005 beschlossen, für
Bücherneuanschaffungen einen regelmäßigen Anteil aus dem Lernmittelfonds jährlich zur Verfügung zu stellen. Eltern, die nicht von
der Zahlung der Lernmittel für ihre Kinder befreit sind, zahlen einen Jahresbeitrag. Die Betreuung durch eine Honorarkraft ist
bis Ende 2008 gewährleistet. Danach müssen neue Mittel aufgetan werden.
Mehr lesen: Bibliothek
- Bücherkino: Dias mit Bildern aus Bilderbüchern (ohne Text) werden projeziert und der Text dazu vorgelesen.
So ist ein intensives Betrachten und Reden über die Bilder möglich. Die Lenauschule hat eine Sammlung von 100 Titeln
in dieser Form. Diese Aktion wird den Klassen zu festen Zeiten angeboten. Ab September 2008 werden nach Altersstufen
differenziert einen Monat lang drei verschiedene Kinos angeboten, die die Klassen zu festen Zeiten in der Bibliothek
nutzen können. Es gibt dazu auch Anregungen, wie in den Klassen daran weiter gearbeitet werden könnte.
- Vorlesen:
Erzählen von Märchen oder Vorlesen von Geschichten oder Büchern (in Fortsetzung) werden zu festen Zeiten den Klassen angeboten.
- Offenes Vorlesen: Ein Klassen oder Gruppen übergreifendes Vorlesen von Bilderbüchern in kleineren Gruppen mit anschließendem Gestalten (Malen oder Basteln) zum Gelesenen
- Projekt Ferienlektüre: Ferienlektürekisten bieten eine gute Möglichkeit, Kindern in ihrer Freizeit
Leseanreize zu geben. Auf Dauer fördern sie die Ausbildung eines
stabilen Leseinteresses nachhaltig. Es werden gleiche Titel von Kleingruppen einer Klasse gelesen. Für jede Klassenstufe der Klassen 2 – 6
stehen mehrere Bücherkisten mit Kinderliteratur zur Verfügung.
Die Ausleihe und Verwaltung wird über die Schulbibliothek organisiert.
Die Kisten werden von den Lehrer/innen ggf. mit den Kindern entsprechend ihrer Klassenstruktur variabel mit Büchern so bestückt, dass für
jedes Leseniveau und Interesse der Kinder in der Klasse passende
Bücher vorhanden sind.
- Lesefest:
Ein Lesefest für Eltern, Freunde und Kinder mit verschiedenen Darbietungen findet jedes Jahr im Herbst statt.
Dem „Festtag" gehen Projekttage zum Thema Lesen voraus (Dichterlesungen, u.a.)
- Mütterfest:
Jeden 2. Donnerstag im Monat findet in der Bibliothek der Lenauschule ein zweisprachiges Bilderbuchkino als „Müttercafé“
für Mütter mit ihren Kindern bis zu 8 Jahren statt.
- FörMig Modellversuch:
Seit 2005 nimmt die Lenauschule an dem Modellversuch FörMig (Förderung für Migrantenkinder) der BLK (Bund-Länder-Kommission)
mit fünf Schulanfangsklassen teil
-
Familienlesekoffer: Die Eltern sollen am Schriftspracherwerb ihrer Kinder beteiligt und für den Umgang mit Büchern zu Hause motiviert werden.
In diesen Klassen gibt es Familienlesekoffer mit ein und zweisprachigen Büchern (auch mit Hör-CDs und Spielen). Jedes Kind
der Klasse darf einen Koffer für ca. 3 Wochen mit nach Hause nehmen. Die Koffer werden von den Eltern sehr gut angenommen.
- Aus den Mitteln des FörMig Modellversuchs hat auch jede dieser Klassen eine Kiste mit ca. 60 Bilderbüchern zur Ausleihe
für die Kinder bekommen. Sie enthält verschiedene Titel mehrmals. Die 6 Kisten mit den ca. 70 verschiedenen Titeln werden unter
den einzelnen Klassen ausgetauscht. Aus dem Umgang mit den Koffern und Kisten haben sich in den Klassen unterschiedliche Leserituale
entwickelt, die von den KollegInnen und Eltern überwiegend positiv bewertet werden.
- Die Welt in Büchern entdecken:
Die Schulbibliothek der Lenauschule hat eine Abteilung mit Büchern zu
verschiedenen Ländern. Dazu gehören Wörterbücher, zweisprachige Kinderbücher und Bildbände. In Klasse 5 und 6 können Kinder
dann mit Hilfe dieser Bücher Länder präsentieren und vorstellen.
Kooperationen
Die Lenaugrundschule ist bei der Verwirklichung ihrer Ziele auf Unterstützung von Kooperationspartnern
angewiesen. Folgende außerschulische Kooperationspartner gab und gibt es für die Entwicklung der Lesekultur
an der Lenauschule:
- Bürgerstiftung Berlin: Geldmittel für den Modellversuch „Leselust“ an unserer Schule, Honorarmittel
für die Betreuung der Bibliothek, seit vier Jahren kostenlose Fortbildung von Lesepaten an der FU. Außerdem auch Geldmittel zur Erweiterung der Bibliothek 2007. Vermittlung von ehrenamtlichen Lesepaten.
Weiter lesen: www.buergerstiftung-berlin.de
- FörMig Modellversuch (s.o.): Sachmittel zur Erweiterung der Bibliothek 2007 und zur Anschaffung von Büchern zu verschiedenen Ländern ( s. o.)
Finanzierung der Familienkoffer, der Bilderbuchkisten in der Schulanfangsphase, und Übersetzungshonorare für zweisprachige Bilderbuchkinos und die Kinderbetreuung während der Müttercafes.
Weiter lesen: www.blk-foermig.uni-hamburg.de
- LesArt: kostenlose Langzeitbetreuung einer Klasse an der Lenauschule seit
2002 (institutioneller Lesepate)
-
LISUM Berlin: 2006-2007, Honorarmittel für Übersetzungen von Elternbriefen und Bilderbüchern und schulinterne Lehrerfortbildungen zum Thema Lesen
- BLK-Versuch FörMig: Mittel für zweisprachige Betreuung beim Müttercafe, Bilderbuchkisten und Familienlesekoffer
- Freiwilligenagentur Friedrichshain-Kreuzberg: Vermittlung von ehrenamtlichen Lesepaten
-
Buchläden: „Anagramm“ (Schaufenstergestaltung zu unserer Leseförderung) und „Extrabuch“ (Herstellung von Öffentlichkeit und Buchrecherchen)
Weiter lesen: www.anagramm-buch.de
Weiter lesen: www.extra-buch.de
-
Projekt "Kreuzberger Büchertisch": Vermittlung von Autorenlesungen und Stiftung von guten gebrauchten Kinderbüchern für unsere Lesefeste
-
Theresia Zander Stiftung: 2007/2008, Finanzierung der Erzählerin Suse Weise, Erzählen und Schreiben zu biografischen Geschichten der Familien der Kinder
- Erzählzeit: 2008, Kooperation zum Märchen erzählen und biografischen Erzählen von Geschichten der Familien mit der Erzählerin Suse Weiße.
Weiter lesen: www.erzaehlkunst.com