Die Lenau-Grundschule ist eine gebundene Ganztagsgrundschule
in der
Nostitzstraße 60
in 10961 Berlin-Kreuzberg
Tel: 030-818588-11 (Sekretariat)
Email: sekretariat@lenau.schule.berlin.de
Was ist WUV?
von Mascha Kleinschmidt-Bräutigam
  • WUV - Wahlunterricht / verbindlich - ist Ergebnis einer heftigen Debatte über die Qualität der 6-jährigen Grundschule in Berlin.
  • WUV ist auch Antwort auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen die seit geraumer Zeit auf die (Grund) Schule einwirken.
  • WUV ist ein Schritt zur Weiterentwicklung des Fachunterrichts in den 5 und 6. Klassen.
  • WUV soll zu einem Beitrag der Qualitätssteigerung der Berliner Grundschule werden.
Mit Beginn des Schuljahres 1998/99 sind den Berliner Grundschulen zunächst für die 5. Klassen zwei Unterrichtsstunden zusätzlich zur Verfügung gestellt worden, die völlig neuen Bedingungen unterliegen:
  • Für WUV gibt es keinen Rahmenplan
  • Das Lernen in WUV wird nicht benotet
Der unterrichtliche Entscheidungsspielraum der Schule war noch nie so groß, die Aufforderung zum Experimentieren noch nie so weit gesteckt.

Im Entwurfspapier "Grundschulreform 2000 - Neue Perspektiven für die Berliner Grundschule" der Senatorin für Schule, Jugend und Sport vom März 1998 finden sich ebenso wie im Rundschreiben III Nr. 13/1998 Anhaltspunkte, die als Orientierung für die Ideenfindung, Planung und Umsetzung des verbindlichen Wahl- dienen können. Diese Orientierungspunkte sollen im Folgenden akzentuiert werden.

WUV als ein Beitrag zur Profilbildung
Das Was und Wie eines WUV-Angebots geht alle am Schulleben Beteiligten etwas an: die Lehrkräfte, die Eltern, die Schülerschaft, die Menschen im schulischen Umfeld.
  • Welche Interessen bringen die Schülerinnen und Schüler ein und an welchen Inhalten entwickeln welche Kinder in besonderem Maße Lern- und Leistungsmotivation?
  • Welche Kompetenzen schlummern als bislang unerkannte Ressourcen im Kollegium?
  • Welche Lernchancen liegen im Umfeld der Schule? Mit welchen Adressaten könnte Schule in Kontakt treten?
  • Welche Erwartungen haben die Eltern an das, was Kinder heute lernen sollen?
Bei der Beantwortung dieser Fragen werden möglicherweise unterschiedliche Wert- und Zielvorstellungen, unvereinbare Hoffnungen und Erwartungen auf den Tisch kommen, die eine Diskussion in Gang bringen können. Eine Verständigung über WUV kann zum Ausgangspunkt für gemeinsame Reflexion und planvolles Gestalten an der Schule werden.

Denn die Entscheidung über die Organisation von WUV geht auch an die Verteilung vorhandener finanzieller Ressourcen. Und schließlich: Die Frage, wie WUV gestaltet werden soll, hat möglicherweise Auswirkungen auf den gesamten Unterricht in Klasse 5 und 6. Ganz wichtig: Die im oben zitierten Rundschreiben der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport genannten Inhalte für WUV sind kein Auswahlkatalog, sondern Anregungen.

WUV als Instrument der Leistungssteigerung des einzelnen Kindes
Schon lange haben wir gewusst, aber viel zu lange haben wir unterschätzt, welche Bedeutung emotionale und motivationale Aspekte für das kognitive Lernen haben. Lernen ist umso erfolgreicher, je mehr die Lernenden sich mit den Inhalten identifizieren können und sie für ihr Leben für bedeutsam halten, je mehr ihre persönlichen Interessen und Erfahrungen Berücksichtigung finden. Unterrichtsinhalte wählen zu können: Darin steckt eine Quelle für selbstbestimmtes Lernen, für Erhöhung der Leistungsmotivation, für Leistungssteigerung, für langhaltig verfügbares Wissen und Können. D.h. aber auch: Die Schülerinnen und Schüler müssen Wahlmöglichkeiten erhalten. Erfolgreiches Lernen ist immer auch ein selbständiges Lernen. Selbständig lernen zu können, setzt voraus und bewirkt zugleich, über Lernkompetenzen zu verfügen, mit denen man sich Wissen und Fähigkeiten aneignet: Selbständig lernen zu können setzt voraus und bewirkt, das Lernen zu lernen. Dazu gehören:
  • Methodenkompetenz (Informationen und Material beschaffen, mit Zeit umgehen, Ziele aufstellen.... Arbeitstechniken einüben ... )
  • Sozial- und Selbstkompetenz (Gesprächs- und Kommunikationsformen, Teamarbeit lernen, mit Frustrationen umgehen, Durststrecken aushalten...)
  • Sachkompetenz (sich Wissen, Fertigkeiten, Fähigkeiten aneignen...)
An welchen Inhalten Kinder diese Kompetenzen erwerben, hat in Anbetracht der Wissensexplosion einen anderen Stellenwert als früher. Wichtig ist, dass diese Kompetenzen konsequent erworben werden.

Kritiker zweifeln an, dass projektartiger Unterricht in zwei Wochenstunden auch realisiert werden kann. Damit stellt sich die Frage, inwieweit WUV auch mit dem Fachunterricht (Unterricht in den Fächern) oder dem fakultativen Unterricht verbunden, verzahnt, verknüpft werden kann.

WUV als projektartiger Unterricht
Unterricht in Projektform ist oft besser als konventioneller Fachunterricht geeignet, interessengeleitetes eigenverantwortliches Lernen zu fördern. In dieser Unterrichtsform ist binnendifferenziertes Arbeiten gut umzusetzen. Leistungsstärkere wie Leistungsschwächere sind am Inhalt interessiert und können auf unterschiedliche Teilziele in einem gemeinsamen Vorhaben hinarbeiten. Das schließt jedoch nicht aus, dass WUV auch Angebote umfassen sollte, die nicht oder nur teilweise in Projektform zu erarbeiten sind, insbesondere dann, wenn Kinder Interessen für Lerninhalte haben, die Formen konsequenten Trainierens oder auch teilweise lehrgangsartigen Unterricht verlangen.
WUV als Baustein der Grundschulreform
Lassen Sie uns die Chancen für eine Qualitätssteigerung der Berliner Grundschule nutzen, die u.a. darin liegen, dass
  • Schülerinnen und Schüler die Inhalte des Lernens (mit-)bestimmen können,
  • WUV in klassenübergreifenden und - soweit organisierbar - verkleinerten Gruppen stattfindet,
  • projektartiges Arbeiten als binnendifferenzierende Chance genutzt wird,
  • Schülerleistungen nicht durch Noten, sondern durch verbale Rückmeldungen kommentiert werden.
Zu welchen inhaltlichen und organisatorischen Ausformungen dieser Unterricht entwickelt werden wird, welche Erfolge und/oder Ergebnisse aus ihm erwachsen werden, ist zur Zeit noch offen. Deshalb sollte auch niemand vorschnelle Bewertungen abgeben oder gar von "falsch" oder "richtig" sprechen.

Aus dem gleichen Grund ist es auch noch zu früh zu entscheiden, ob der verbindliche Wahlunterricht künftig sogar schon in den Klassen 3 und 4 des vorfachlichen Unterrichts einsetzen sollte. Für eine Weiterentwicklung der Grundschule wäre dies sicher wünschenswert.